Ein Kratzer im Autolack ist schnell passiert – beim Einparken, durch einen Steinschlag oder eine unachtsam geöffnete Tür. Aber brauchst du jetzt nur eine Politur, einen Lackstift oder direkt ein komplettes Lack Repair Set? Entscheidend ist nicht nur die Größe des Schadens, sondern vor allem, wie tief er durch die verschiedenen Lackschichten reicht.
Die kurze Antwort: Oberflächliche Kratzer im Klarlack lassen sich häufig polieren. Ist die Farbschicht beschädigt, benötigst du passenden Basislack und Klarlack. Sobald blankes Metall oder Rost sichtbar ist, solltest du zusätzlich für Grundierung und Korrosionsschutz sorgen.
Mit unserem Lackschaden-Finder erkennst du schnell, welche Lösung zu deinem Schaden passt.
1. Die wichtigste Frage: Wie tief ist dein Kratzer?

Wie in der folgenden Schichten-Grafik dargestellt, besteht ein Fahrzeuglack vereinfacht aus mehreren Schichten:
- Klarlack: Die transparente oberste Schicht schützt den Farbton und sorgt für Glanz.
- Basislack: Hier sitzt die eigentliche Fahrzeugfarbe – zum Beispiel Uni, Metallic oder Pearl.
- Grundierung beziehungsweise Füller: Diese Schicht sorgt für Haftung und schützt den Untergrund.
-
Untergrund: Je nach Fahrzeugteil besteht er aus Metall oder Kunststoff.
Je tiefer der Kratzer reicht, desto mehr Schichten müssen bei der Reparatur wieder aufgebaut werden. Reinige die Stelle deshalb zuerst gründlich und betrachte sie bei gutem Licht. Auf einer verschmutzten Oberfläche lässt sich die Tiefe nur schwer zuverlässig einschätzen.
2. Der Lackschaden-Finder: Was brauchst du?
| So sieht dein Schaden aus | Was ist wahrscheinlich beschädigt? | Unsere Empfehlung |
|---|---|---|
| Der Kratzer ist nur bei bestimmtem Licht sichtbar, die Fahrzeugfarbe ist vollständig erhalten und der Fingernagel bleibt nicht oder kaum hängen. | Meist nur der Klarlack | Zuerst eine geeignete Politur testen. |
| Im Kratzer fehlt sichtbar Farbe, aber es ist weder blankes Metall noch Rost zu sehen. | Basislack beziehungsweise Farbschicht | Lackstift plus Klarlack für kleine, punktuelle Schäden. |
| Der Kratzer ist tiefer oder uneben und soll zusätzlich geschliffen und poliert werden. Metall oder Rost sind nicht sichtbar. | Basislack und möglicherweise Grundierung beziehungsweise Füller | Kiezlack Lack Repair Set ohne Korrosionsschutz. |
| Im Schaden ist silbernes, blankes Metall sichtbar. | Lackaufbau bis auf das Blech beschädigt | Kiezlack Lack Repair Set mit Korrosionsschutz. |
| Du erkennst braune Stellen oder einen sichtbaren Rostansatz. | Korrosion am metallischen Untergrund | Kiezlack Lack Repair Set mit Korrosionsschutz, inklusive Rostumwandler und Grundierung. |
| Der Schaden ist großflächig, stark verrostet, gerissen oder mit einer Delle verbunden. | Umfangreicher Lack- oder Karosserieschaden | Kiezlack Lackspray |
Merke: Siehst du blankes Metall oder Rost, wähle die Variante mit Korrosionsschutz. Ist nur die Lack- oder Füllerschicht betroffen, reicht bei einem kleinen, punktuellen Schaden in der Regel die Variante ohne Korrosionsschutz.
3. Politur, Lackstift oder Repair Set – wo liegt der Unterschied?
Politur: für oberflächliche Spuren im Klarlack
Eine Autopolitur ist ein abrasives Pflegemittel, das eine hauchdünne Schicht des beschädigten Klarlacks abträgt, um leichte Kratzer, Waschstraßenspuren und oberflächlichen Fremdlack durch Glättung unsichtbar zu machen. Wichtig: Fehlt bereits die eigentliche Fahrzeugfarbe, kann eine Politur den fehlenden Lack nicht wieder auffüllen.
Lackstift plus Klarlack: für kleine Steinschläge und punktuelle Lackschäden
Ein Lackstift ist ein kompaktes Werkzeug zur Ausbesserung von minimalen, klar abgegrenzten Lackschäden, mit dem der Basislack exakt nach dem Farbcode punktuell aufgetragen wird. Der dazugehörige Klarlack versiegelt die reparierte Stelle anschließend, schützt sie vor Witterungseinflüssen und stellt den originalen Glanz wieder her.
Lack Repair Set: für eine vollständige punktuelle Reparatur
Die Variante mit Korrosionsschutz beinhaltet zusätzlich einen speziellen Rostumwandler sowie eine Grundierung. Diese Ausführung ist zwingend für tiefe Schäden erforderlich, bei denen bereits blankes Metall sichtbar ist oder sich erste Rostansätze gebildet haben.
4. Wann brauchst du das Lack Repair Set mit Korrosionsschutz?
Korrosionsschutz ist immer dann wichtig, wenn die schützenden Lackschichten auf einem Metallteil vollständig durchbrochen wurden. Feuchtigkeit und Sauerstoff können sonst an das blanke Blech gelangen und Rost begünstigen.
Wähle das Set mit Korrosionsschutz, wenn:
- blankes, silbernes Metall sichtbar ist,
- sich bereits braune Rostspuren zeigen,
- ein Steinschlag bis auf das Blech reicht,
- eine kleine Roststelle vor dem Lackieren behandelt werden muss.
Rost sollte nicht einfach mit Basislack überdeckt werden. Die betroffene Stelle muss zuerst fachgerecht vorbereitet und der vorhandene Rost behandelt werden. Erst danach folgen Grundierung, Basislack und Klarlack.
5. Was gilt bei Kunststoffteilen?
Stoßstangen, Spiegelkappen und andere Anbauteile bestehen häufig aus Kunststoff. Kunststoff kann nicht rosten, deshalb benötigst du hier keinen Rostumwandler.
Für kleine Schäden in der Lackschicht ist das Lack Repair Set ohne Korrosionsschutz die passende Ausgangsbasis. Liegt der Kunststoff großflächig frei, ist die Oberfläche gerissen oder verformt, sollte vor der Reparatur geprüft werden, ob ein zusätzlicher Kunststoff-Haftvermittler oder eine professionelle Instandsetzung erforderlich ist.
6. So läuft die Reparatur ab
- Vorbereitung & Reinigung: Entferne Schmutz, Wachs, Fett und Insektenreste gründlich mit dem beiliegenden Carsystem Silikonentferner Mild und dem Mikrofasertuch. Prüfe vor dem Start unbedingt die Farbe durch einen kurzen Farbtest auf Passgenauigkeit zum Fahrzeug.
- Schleifen (die Basis): Klebe das beiliegende Mercury Schleifpapier P3000 auf den schwarzen Schleifblock. Schleife mit sehr wenig Druck und kreisenden Bewegungen ausschließlich den betroffenen Bereich leicht matt. Wische das Schleifmittel zwischendurch mit dem Tuch ab, um die Schleifleistung konstant zu halten, und befreie die Fläche danach komplett von Staub und Silikonresten.
- Korrosionsschutz (Pflicht bei Metall/Rost): Schleife vorhandenen Rost so lange mit dem P3000-Papier, bis die Fläche metallisch sauber aussieht und kein brauner Ton mehr sichtbar ist. Trage eine dünne Schicht der Rostschutzgrundierung auf und lass sie mindestens 30 Minuten vollständig durchtrocknen. Danach die trockene Grundierung für optimalen Lackhalt ganz leicht und ohne Materialabtrag mit P3000 anschleifen.
- Basislack auftragen (Farbauftrag): Schüttle den Lackstift mindestens 60 Sekunden lang kräftig durch. Trage den Lack ausschließlich innerhalb der Schadstelle hauchdünn auf. Gehe Schicht für Schicht vor und lass jede Schicht 10–15 Minuten matt ablüften, bevor die nächste folgt. Bei unebenen Rändern kannst du nach dem Trocknen einen vorsichtigen Zwischenschliff mit P3000 durchführen.
- Klarlack auftragen (Glanz & Schutz): Sobald der Basislack komplett matt und berührtrocken ist (ca. 10–20 Minuten), den Klarlack 1 Minute kräftig schütteln. Trage den Klarlack in 2–4 feinen Schichten auf (jeweils 5–10 Minuten Zwischenabtrocknung). Nach der dritten Schicht kannst du Staubeinschlüsse optional mit P3000 herausschleifen, bevor die finale Schicht folgt. Den Lack danach mindestens 24 Stunden vollständig aushärten lassen.
- Finish & Polieren: Setze das beiliegende Polierpad einfach auf deinen Akkuschrauber (niedrige Drehzahl wählen). Trage eine kleine Menge Politur auf und poliere mit leichtem Druck und kreisenden Bewegungen über die ausgehärtete Stelle. Überlappe die Ränder leicht für einen fließenden Glanzübergang. Rückstände mit dem Mikrofasertuch entfernen – fertig!
7. Wann reicht eine Reparatur mit Lackstift nicht aus?
Ein Lackstift beziehungsweise Lack Repair Set ist für kleine, punktuelle Schäden gedacht. Es ersetzt keine professionelle Lackierung bei großen oder komplexen Beschädigungen.
Lass den Schaden besser fachlich prüfen, wenn:
- die beschädigte Fläche deutlich größer als ein kleiner, punktueller Kratzer oder Steinschlag ist,
- eine Delle, ein Riss oder eine Verformung vorhanden ist,
- sich Rost bereits unter dem umliegenden Lack ausgebreitet hat,
- Lack großflächig abblättert,
- du ein vollständig unsichtbares Ergebnis erwartest.
Auch bei korrekt angemischtem Lack kann die ausgebesserte Stelle je nach Lichteinfall sichtbar bleiben. Alter, Pflegezustand und UV-Belastung können den vorhandenen Fahrzeuglack verändern. Deshalb solltest du den Farbton vor der eigentlichen Reparatur immer an einer unauffälligen Stelle testen.
8. Häufige Fragen zum Lack Repair Set
Welches Lackreparatur-Set brauche ich bei einem tiefen Kratzer?
Ist bei einem tiefen Kratzer blankes Metall oder Rost sichtbar, benötigst du das Lack Repair Set mit Korrosionsschutz. Sind nur Basislack, Grundierung oder Füller betroffen und es besteht kein Rostrisiko, reicht für einen kleinen punktuellen Schaden in der Regel das Set ohne Korrosionsschutz.
Brauche ich immer Klarlack über dem Basislack?
Der Klarlack schützt den Basislack vor Witterung, mechanischer Belastung und UV-Einwirkung und sorgt für den passenden Glanz. Besonders bei Metallic- und Pearl-Lacken gehört er zum vorgesehenen Lackaufbau. Welche Verarbeitung für deinen Farbton erforderlich ist, erfährst du bei der Produktauswahl.
Kann ich Rost einfach überlackieren?
Nein. Sichtbarer Rost muss zuerst entfernt beziehungsweise mit einem geeigneten Rostumwandler behandelt werden. Wird Rost nur überlackiert, kann sich die Korrosion unter der neuen Lackschicht weiterentwickeln.
Brauche ich auf Kunststoff Korrosionsschutz?
Nein, Kunststoff rostet nicht. Bei freiliegendem Kunststoff kann jedoch ein geeigneter Kunststoff-Haftvermittler erforderlich sein. Bei größeren Rissen oder Verformungen reicht ein Lackstift nicht aus.
Passt der Lack nach Farbcode immer hundertprozentig?
Der Farbcode ist die Grundlage für die passende Herstellerrezeptur. Alterung, Sonneneinstrahlung, Pflegezustand, vorhandene Farbvarianten und die Art des Auftrags können das sichtbare Ergebnis beeinflussen. Deshalb empfehlen wir vor der Reparatur immer einen Farbtest.
9. Fazit: Der Untergrund entscheidet über das richtige Set
Du brauchst kein möglichst großes Set, sondern die Variante, die zu deinem Schaden passt:
- Nur oberflächlicher Klarlackkratzer: zuerst polieren.
- Kleiner Lackschaden ohne Metall oder Rost: Lackstift plus Klarlack oder Lack Repair Set ohne Korrosionsschutz.
- Blankes Metall oder Rost sichtbar: Lack Repair Set mit Korrosionsschutz.
- Großflächiger, verformter oder stark verrosteter Schaden: fachlich prüfen lassen.
- Lackschaden auf Kunststoff, zum Beispiel an der Stoßstange: Ein Lackstift funktioniert auch auf lackierten Kunststoffteilen. Verwende Lackstift plus Klarlack oder das Lack Repair Set ohne Korrosionsschutz. Liegt der Kunststoff frei, solle zusätzlich ein geeigneter Kunststoff-Haftvermittler verwendet werden.
Du bist dir trotz unseres Lackschaden-Finders nicht sicher? Schick uns ein gut beleuchtetes Foto der gereinigten Stelle. Wir helfen dir dabei, den Schaden einzuordnen und die passende Variante auszuwählen.
Expertenwissen: Dieser Leitfaden wurde in Zusammenarbeit mit unseren Lacktechnikern entwickelt.





Teilen: